Lebenslauf von Carl Wiederhold

zusammengestellt von Manfred Koenig


*02.08.1863
Carl Wiederhold in Hannover geboren. Er ist ältester von zwei Söhnen des Schneidergesellen Johann Jakob Wiederhold (* 19.04.1834 in Neukirchen / Hessen; † 23.04.1892 in Hannover) und dessen Ehefrau Martha Christine Wiederhold geb. Knies (* 27.01.1831 in Süß [bei Ziegenhain/Hessen];† 31.05.1916 in Hannover; Grab auf dem Friedhof in Hannover-Stöcken).
Sein Geburtshaus war das Haus Breitestraße 19c in Hannover.


Nach der Schulzeit 4-jährige Lehre bei Anton Jürgens (* 11.02.1823 in Hannover; † 22.08.1883 in Hannover; Dekorations- und Hofwappen-Maler)und anschließender Besuch der Lehranstalt des Gewerbevereins in Hannover.


1884 - 1887
Studium an der Technischen Hochschule Hannover, Fachrichtung Architektur. Unterricht u.a. bei Friedrich Kaulbach (* 08.07.1822 in Arolsen; † 05.09.1903 in Hannover): figürliches Zeichnen und Aktzeichnen; bei Hubert Stier (27.03.1838 in Berlin, † 25.06.1907 in Hannover): Ornamentik und ab 1886 bei Gustav Schönermark (* 05.12.1854 in Golmbach; † 13.09.1910 in Hannover): u. a. Ikonographie.


1888 - 1890
Staatsstipendium zum Besuch der Unterrichtsanstalt des Berliner Kunstgewerbe-Museums, hier der Fachklasse „für decorative Malerei und figürliche Dekoration“.


1888
Beteiligung an der kunsthistorischen Bestandsaufnahme von Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden.


1892
Carl Wiederhold unternimmt eine 8-monatige Reise durch Italien.


1895
Unterricht bei Harald Friedrich (* 14.04.1858 in Dresden; † 05.04.1933 in Florenz; Genre- und Bildnismaler).


27.04.1900
Carl Wiederhold wird zusammen mit seinem Freund Friedrich Koch (* 25.12.1859 in Kappeln a.d. Schlei; † 13.01.1947 in Großenwieden bei Rinteln) in die am 29.11.1880 von Conrad Wilhelm Hase (* 02.10.1818 in Einbeck; † 28.03.1902 in Hannover) gegründete „Bauhütte zum weißen Blatt“ als Altgeselle aufgenommen, der bereits sein Lehrer und Förderer Gustav Schönermark (* 05.12.1854 in Golmbach / Kr. Holzminden; † 13.09.1910 in Hannover) angehörte.


1905
Carl Wiederhold erhält von der „Bauhütte zum weißen Blatt“ den Meistertitel. Er bleibt Zeit seines Lebens Mitglied dieser Hüttenbruderschaft.


1900 - 1930
Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbeschule Hannover als nebenamtliche Lehrkraft. In den unterschiedlichen Abteilungen dieser Unterrichtsanstalt vermittelte er den Studenten die Fächer: Farbenlehre, Freihandzeichnen, Kopfstudien und Aktzeichnen, Ornamentzeichnen und Dekorationsmalerei. Auf seinen Vorschlag hin wird Kurt Sohns (* 09.01.1907 in Barsinghausen; † 04.01.1990 in Hannover) sein Nachfolger.




Carl Wiederhold: Selbstportrait vor Bilderwand Öl auf Holz; 39,5 x 26,5 cm; Historisches Museum Hannover Foto: Historisches Museum Hannover

08./09.10.1943
Wohnung und Atelier von Carl Wiederhold in Hannover, Bürgermeister-Fink-Straße 28, werden beim Bombenangriff zerstört. Alle in seinem Besitz befindlichen Gemälde, die den größten Teil seines Gesamtwerks ausmachen, werden vernichtet.


15.10.1943
Carl Wiederhold zieht nach Bückeburg in das Haus Trompeterstraße 28. Es gehört seiner Patentochter Karla Schramm und deren Schwester Anna, den Nichten seines Freundes, des Malers Friedrich Koch. In der Dachwohnung arbeitet Carl Wiederhold bis zu seinem Lebensende und wird in dieser Zeit von den Geschwistern Schramm versorgt und gepflegt.


25.08.1961
Carl Wiederhold, welcher der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde angehört, stirbt unverheiratet im Alter von 98 Jahren in Bückeburg. Das Grab befindet sich in Bückeburg auf dem Friedhof der Ev.-luth. Kirchengemeinde an der Scheier Straße.



Anmerkungen zum Werk von Carl Wiederhold
(In der Literatur erwähnte Gemälde)


Das jeweilige Entstehungsjahr ist, sofern es bekannt ist, in runden Klammern angegeben.



Erhaltene Monumentalgemälde:
· Schloss Berlepsch (b. Witzenhausen): Deckengemälde (1896)
· Balhorn (Bad Emstal); Ev. Kirche: Deckengemälde (1896);
· Wendershausen (b. Witzenhausen), Ev. Pfarrkirche: erheblich beschädigtes Deckengemälde (1902)
· Soltau; St. Johannis-Kirche: Deckengemälde (1908).


Nicht erhaltene oder heute nicht mehr sichtbare Monumentalgemälde:
· Hofgeismar; Altstädter Kirche: Ausmalung (1898/99) [seit Restaurierung um 1960 nicht mehr sichtbar, heutige Existenz ungeklärt]
· Freden a. d. Leine; St. Laurentius-Kirche: Entwurf zur Ausmalung (1906) [heute: nur eine kleine Fläche einer Vorhangbemalung sichtbar];
· Gießen; Johanneskirche: Wandgemälde (1903) [Bei Renovierungsarbeiten nach 1962 zerstört];
· Hannover; Dresdner Bank: Deckengemälde im Sitzungssaal (Jahr?) [heutige eventuelle Existenz ungeklärt, möglicherweise durch abgehängte Decke verdeckt];
· Hannover; Justizgebäude: Deckengemälde im Präsidentenzimmer (1911) [heutige Existenz ungeklärt; möglicherweise übertüncht];
· Hildesheim; Treppenhaus (Empfangshalle?) des Wasserwerks: Wandbild (Jahr?) [heute: nicht nachweisbar; Gebäude 1945 zerstört];
· Kassel; Unter-Neustädter Kirche: Deckengemälde (1896) [zerstört 1943];
· Peine; Empfangshalle der Kreissparkasse: Wandbild (Jahr?) [heute: nicht nachweisbar; vermutlich bei Umbaumaßnahmen nach 1945 zerstört];



Erhaltene Altargemälde:
· Burgdorf bei Hannover; St. Pankratius-Kirche (1900);
· Hannover-Bothfeld; St. Nicolai-Kirche (1911).


Gemälde und Zeichnungen in Museen und staatlichen Einrichtungen:
· Historisches Museum, Hannover: 8 Bilder (unterschiedliche Maltechniken)
· Land Niedersachsen: 6 Ölgemälde
· Niedersächsische Landesgalerie (Landesmuseum Hannover): 6 Ölgemälde


Ausstellungen


Die Werke von Carl Wiederhold waren auf zahlreichen Ausstellungen zu sehen. Von den Ausstellungen in Deutschland seien erwähnt:
· Große Berliner Kunst-Ausstellung von 1904ff.;
· Deutschnationale Ausstellung in Düsseldorf, 1907;
· Deutsche Kunstausstellung Bremen 1908;
· Ausstellungen in der Kestner-Gesellschaft Hannover 1917ff.;
· Ausstellungen im Kunstverein Hannover 1940ff.;
· Ausstellung des Schaumburg-Lippischen Heimatvereins, Bückeburg 1975;
· Ausstellung der Stadt Hannover in der Galerie Kubus, Hannover 1979.

Im Rahmen seiner Herbstaustellungen ehrte der Kunstverein Hannover im Jahr 1958 den „Senior der niedersächsischen Maler“ anlässlich seines 95. Geburtstages in einer Sonderausstellung. Dort waren 82 seiner Werke aus den Jahren 1892 - 1958 ausgestellt.

In der Bückeburger Ausstellung des Schaumburg-Lippischen Heimatvereins, die der Verein unter dem Motto „Schaumburger Künstler“ im Jahr 1975 veranstaltete, wurden fünf Gemälde von Carl Wiederhold präsentiert.

Die Stadt Hannover veranstaltete im Jahr 1979 in der Galerie Kubus eine Ausstellung unter dem Motto „Maler zweier Generationen“, auf der u.a. 12 Ölbilder von Carl Wiederhold zu sehen waren, darunter zwei, die er im Jahr vor seinem Tod gemalt hatte.

In der Literatur sind Ausstellungen in Amsterdam und Paris (ohne Jahresangabe) genannt, auf denen Werke von Carl Wiederhold gezeigt wurden.



Literaturauswahl

Koenig, Manfred: Der Maler Carl Wiederhold / Anmerkungen zur Biographie und zum Werk, Hannoversche Geschichtsblätter, NF Bd. 59, Hannover 2005, S. 63-82.

Vollmer, Hans (Hg.)[Ulrich Thieme und Felix Becker]: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart; Bd. 35, Deutscher Taschenbuch Verl., 1992, S. 527 (unveränderter Nachdruck der Originalausgabe, Leipzig 1942)